12. Juni 1815

 

Am 12. Juni 1815

 

legten in Jena vor dem Gasthaus "Grüne Tanne" aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon heimgekehrte Studenten ihre landsmannschaftlichen Fahnen nieder und gründeten die Burschenschaft, in der sich alle deutschen Studenten ohne Ansehen der regionalen Herkunft mit dem Ziel zusammenfinden sollten, das sehr zerstückelte und von vielen Grenzen durchzogene Vaterland zu einen. Sie gaben sich den Wahlspruch Ehre-Freiheit-Vaterland und wählten in Anlehnung an die Uniformfarben des Lützowschen Freicorps „Roth und Schwarz zu den Farben ihres Paniers“. Um des 300. Jahrestags der Reformation und der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) zu gedenken, riefen sie für den 18. Oktober 1817 zu einer Versammlung auf der Wartburg nach Eisenach. Studenten aus allen deutschen Landen folgten der Einladung der Jenaischen Burschenschaft. Erstmals mitgeführt wurde die gold-umsäumte rot-schwarz-rote Fahne, aus der sich später die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold entwickelten. Wichtigstes Ereignis des Wartburgfests waren die „Grundsätze und Beschlüsse des achtzehnten Oktobers“, die über die Paulskirchenverfassung (1849) und die Weimarer Reichsverfassung (1919) schließlich Eingang in den Grundrechtskatalog unseres Grundgesetzes (1949) fanden. Hierzu zählen u.a. Freiheit der Person, Gleichheit vor dem Gesetz sowie Meinungs- und Pressefreiheit.

Die demokratische Ausrichtung der Burschenschaften war den Herrschenden des frühen 19. Jahrhunderts ein Dorn im Auge. Im Zuge der sog. Demagogenverfolgung wurden alle Burschenschaften, die sich inzwischen an den deutschsprachigen Universitäten, bereits 1819 verboten. Dieses Verbot wurde nur allmählich und nicht überall gleichzeitig gelockert, sodass sich erst in den 1840er Jahren Neugründungen formierten.

Die Jenaer Urburschenschaft entstand in drei Zweigen neu. Arminia auf dem Burgkeller, Germania auf dem Fürstenkeller und Teutonia, die sich als erste am Löbdergraben ein Korporationshaus schuf.

Dem ersten demokratischen gewählten deutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49, gehörten zahlreiche Burschenschafter an. Ihr erster Präsident war der Heidelberger und Jenaer Burschenschafter Heinrich von Gagern, an den heute eine Bronzetafel an der „Grünen Tanne“ erinnert.

Das nächste Verbot ereilte die Burschenschaften unter der Naziherrschaft, sofern sie sich nicht auflösten. Teilweise existierten sie nach 1936 in Form sog. Kameradschaften verdeckt weiter. Anfang der 1950er Jahre gelang ein Neuanfang nur im westlichen Teil Deutschlands, was Jenabruder Klaus Asche beim Festkommers zur 150-Jahrfeier in Berlin ausrufen ließ: „Wir werden nicht eher ruhen, als bis wir wieder auf dem Marktplatz des freien Jena stehen!“

Die friedliche Revolution der Bürger der DDR 1989/90 ermöglichte eine Rückkehr nach Jena. Wir sind stolz, dass alle drei Zweige der Jenaischen Burschenschaft zurückgekehrt sind und sich, weil alle ehemaligen Häuser nicht mehr erlangt werden konnten, unter großen Anstrengungen auch wieder eigene Verbindungshäuser geschaffen haben.

           

 

Heute

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